Liebesgedichte Mittelalter

Du suchst Liebesgedichte aus dem Mittelalter? Hier findest du eine Auswahl der schönsten Liebesgedichte aus jener Zeit, dem Zeitalter der Minne. Durch den Minnesang fand das Liebesgedicht im Mittelalter seinen Ausdruck.
Die Verse wurden an den Höfen des Adels dargeboten.
In den Liebesgedichten des Mittelalters besang der Mann die Schönheit seiner Angebeteten.

Liebesgedichte im Mittelalter wurden in Mittelhochdeutsch verfasst, einer Vorstufe des heutigen Deutsch. Es ist jeweils eine Übersetzung ins Neuhochdeutsche angefügt, um diese Liebesgedichte aus dem Mittelalter für jeden verständlich zu machen.
Manche Verse der mittelalterlichen Liebeslyrik können heute nicht mehr eindeutig einem Dichter zugeordnet werden.

Carmina Burana

Die ersten unserer Liebesgedichte des Mittelalters sind aus der Sammlung „Carmina burana“ (Lieder aus Benediktbeuren). Diese Verssammlung enthält neben Trinkliedern und geistlichen Liedern auch viele Minnelieder, d.h. Liebesgedichte des Mittelalters:

Gruonet der walt allenthalben.
wâ ist mîn geselle alsô lange?
der ist geriten hinnen.
owî! wer sol mich minnen?

Übersetzung:
Es grünt der Wald überall.
Wo ist mein Geliebter so lange?
Der ist fortgeritten.
O weh! Wer wird mich lieben?

Carmina Burana, 13. Jh.

Das kleine v wird dabei wie ein kurzes u gesprochen, ein Vokal mit Akzent (â) wird lang gesprochen (wie in Bahn).

Hier ein anderes Liebesgedicht des Mittelalters:

Ich wil trûren varen lân;
vf die heide sul wir gân,
vil liebe gespilen mîn!
da seh wir der blumen schîn.

Ich sage dir, ih sage dir,
mîn geselle, chum mit mir!

Suoziv Minne, raine Min,
mache mir ein chrenzelîn!
daz sol tragen ein stolzer man;
der wol wiben dienen chan!

Ich sage dir, ih sage dir,
mîn geselle, chum mit mir!

Übersetzung:
Ich will das Trauern sein lassen.
Auf die Heide wollen wir gehen;
mein lieber Gespiele!
Da sehen wir das Leuchten der Blumen.

Ich sage dir, ich sage dir,
mein Geliebter, komm mit mir!

Süße Minne, reine Minne,
mach mir ein Kränzchen!
Das soll ein stolzer Mann tragen,
der Frauen gut zu dienen vermag!

Ich sage dir, ich sage dir,
mein Geliebter, komm mit mir!

Carmina Burana, 13. Jh.

Auch die folgenden beiden Liebesgedichte sind den Carmina burana entnommen:

Nahtegal, sing einen dôn mit sinne
mîner hôchgemuoten kuniginne!
kunde ir, daz mîn stæter muot und mîn
herze brinne
nâch irm süezen lîbe und nâch ir minne!

Übersetzung:
Nachtigall, sing ein Lied mit Kunst
für meine edle Königin!
Verkünde ihr, dass mein fester Sinn und mein
Herze brennen
nach ihrem süßen Leib und nach ihrer Liebe!

Carmina Burana, 13. Jh.

Und:

Selich wîp,
vil suoziz wîp,
du gist wol hohen muot;
schone ist div zît,
bi dir swer lit,
sanfte dem daz tuot.

Übersetzung:
Seliges Weib,
sehr süßes Weib,
du versetzt mich in Hochstimmung;
schön ist die Zeit,
für den, der bei dir liegt,
sanft wie der Tod.

Carmina Burana, 13. Jh.

Das nächste Liebesgedicht aus dem Mittelalter ist noch fast 100 Jahre älter als die Carmina burana. Es scheint auf den ersten Blick gar kein Liebesgedicht zu sein, denn es erzählt von einem Falken, der gezähmt wurde. Mit diesem Falken ist allerdings die Geliebte gemeint. Vieles wurde damals in verschlüsselter Form ausgedrückt, und dieses Liebesgedicht des Mittelalters besingt demnach eine verlorene Liebe:

Ich zôch mir einen valken mêre danne ein jâr.
dô ich in gezamete, als ich in wolte hân
und ich im sîn gevidere mit golde wol bewant
er huop sich ûf vil hôhe und vlouc in ándèriu lant.

Übersetzung:
Ich zog mir einen Falken länger als ein Jahr.
Als ich ihn gezähmt hatte, so wie ich ihn haben wollte
und ihm sein Gefieder mit Gold bekleidete,
erhob er sich sehr hoch und flog in ein anderes Land.

Der von Kürenberg, 12. Jh.

Jetzt kommt das wohl bekannteste Liebesgedicht des Mittelalters. Fast jeder hat schon einmal irgendwo diese Inschrift gelesen. Sie wird heute noch gerne als Liebesgedicht weitergegeben. Bei diesem Liebesgedicht aus dem Mittelalter ist der Verfasser unbekannt:

Dû bist mîn, ich bin dîn:
des solt dû gewis sîn.
Dû bist beslozzen
in mînem Herzen:
verlorn ist das slüzzelîn:
dû muost immer drinne sîn.

Übersetzung:
Du bist mein, ich bin dein:
des sollst du gewiss sein.
Du bist eingeschlossen
in meinem Herzen:
verloren ist das Schlüsselchen:
Du musst immer drinnen bleiben.

unbekannt

Zum Abschluss wollen wir hier noch ein Liebesgedicht des wohl bekanntesten deutschsprachigen Dichters aus dem Mittelalter vorstellen, Walter von der Vogelweide. Er wurde um 1170 wahrscheinlich in Niederösterreich geboren:

>Nemt, frowe, disen kranz:<
alsô sprach ich zeiner wol getânen maget:
>so zieret ir den tanz,
mit den schoenen bluomen, als irs ûffe traget.
het ich vil edele gesteine,
daz müest ûf iuwer houbet,
obe ir mirs geloubet.
sêt mîne triuwe, daz ichz meine.<

Übersetzung:
„Nehmt, Gräfin, diesen Kranz!“
So sagte ich zu einem schönen Mädchen.
„Dann schmückt Ihr diesen Tanz
mit den schönen Blumen, die Ihr tragt.
Hätte ich Edelsteine,
sie müssten auf Euer Haupt,
wenn Ihr mir das glaubt.
Seht meine Aufrichtigkeit, dass ich es wirklich meine.“

Walter von der Vogelweide, 12. Jh.

Das waren unsere Vorschläge für Liebesgedichte aus dem Mittelalter. Wir hoffen, es waren passende Verse für dich dabei.

Wenn dich die Themen Liebesgedichte, Mittelalter, Minnesang interessieren, dann können wir dir diese Liebeslyrik-Seite empfehlen.

Solltest Du selbst besonders schöne Liebesgedichte aus dem Mittelalter kennen, dann schick uns bitte Deine Ergänzungsvorschläge.
Gerne ergänzen wir unsere Seite „Liebesgedichte Mittelalter“ durch weitere Reime und Verse des Mittelalters.

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