Liebesgedicht Goethe

Mehr als ein Liebesgedicht, das Goethe geschrieben hat, ist heute noch „in“. Du findest hier Liebesgedichte aus Goethes unterschiedlichsten Lebensphasen. Welches Liebesgedicht Goethe auch schrieb, es war stets an eine seiner Geliebten gerichtet.

Johann Wolfgang von Goethe wurde mit 82 Jahren überdurchschnittlich alt für seine Zeit, und in jeder Lebensphase gab es Frauen, für die er entflammte. Offensichtlich war das Liebesgedicht Goethe äußerst willkommen, um darin seine jeweiligen Gefühle für die Damen auszudrücken.

Jedes hier ausgewählte Liebesgedicht zeigt Goethe in einer unterschiedlichen Lebensphase.

Friederike Brion

Den Anfang macht ein Liebesgedicht an Friederike Brion, in die Goethe sich mit 21 Jahren, während seines Jurastudiums in Straßburg, verliebte:

Ob ich dich liebe, weiß ich nicht.
Seh´ ich nur einmal dein Gesicht,
Seh´ dir ins Auge nur einmal,
Frei wird mein Herz von aller Qual.
Gott weiß, wie mir so wohl geschieht!
Ob ich dich liebe, weiß ich nicht.

J. W. von Goethe

Ebenfalls an Friederike Brion geht das folgende Liebesgedicht Goethes:

Willkommen und Abschied

Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde!
Es war getan fast eh gedacht.
Der Abend wiegte schon die Erde,
Und an den Bergen hing die Nacht;
Schon stand im Nebelkleid die Eiche,
Ein aufgetürmter Riese, da,
Wo Finsternis aus dem Gesträuche
Mit hundert schwarzen Augen sah.

Der Mond von einem Wolkenhügel
Sah kläglich aus dem Duft hervor,
Die Winde schwangen leise Flügel,
Umsausten schauerlich mein Ohr;
Die Nacht schuf tausend Ungeheuer,
Doch frisch und fröhlich war mein Mut:
In meinen Adern welches Feuer!
In meinem Herzen welche Glut!

Dich sah ich, und die milde Freude
Floss von dem süßen Blick auf mich;
Ganz war mein Herz an deiner Seite
Und jeder Atemzug für dich.
Ein rosenfarbnes Frühlingswetter
Umgab das liebliche Gesicht,
Und Zärtlichkeit für mich - ihr Götter!
Ich hofft' es, ich verdient' es nicht!

Doch ach, schon mit der Morgensonne
Verengt der Abschied mir das Herz:
In deinen Küssen welche Wonne!
In deinem Auge welcher Schmerz!
Ich ging, du standst und sahst zur Erden
Und sahst mir nach mit nassem Blick:
Und doch, welch Glück, geliebt zu werden!
Und lieben, Götter, welch ein Glück!

J. W. von Goethe

Lily Schönemann

Das nächste Liebesgedicht schrieb Goethe über Lily Schönemann, mit der er 1775, also im Alter von 26 Jahren, für einige Monate verlobt war. Lily war die 16-jährige Tochter eines Frankfurter Bankiers.

Neue Liebe, neues Leben

Herz, mein Herz, was soll das geben?
Was bedränget dich so sehr?
Welch ein fremdes, neues Leben!
Ich erkenne dich nicht mehr.
Weg ist alles, was du liebtest,
Weg, warum du dich betrübtest,
Weg dein Fleiß und deine Ruh –

Fesselt dich die Jugendblüte,
Diese liebliche Gestalt,
Dieser Blick voll Treu und Güte
Mit unendlicher Gewalt?
Will ich rasch mich ihr entziehen,
Mich ermannen, ihr entfliehen,
Führet mich im Augenblick,
Ach, mein Weg zu ihr zurück.

Und an diesem Zauberfädchen,
Das sich nicht zerreißen läßt,
Hält das liebe, lose Mädchen
Mich so wider Willen fest;
Muß in ihrem Zauberkreise
Leben nun auf ihre Weise.
Die Verändrung, ach, wie groß!
Liebe! Liebe! laß mich los!

J. W. von Goethe

Charlotte von Stein

Im selben Jahr, in dem sich Goethe von Lily Schönemann trennte, lernte er in Weimar Charlotte von Stein kennen. Goethe war zu dem Zeitpunkt 26, Charlotte 33, verheiratet und bereits dreifache Mutter, was die Beziehung von Goethe zu Frau von Stein fürs erste rein platonisch machte. Ob die beiden in ihrer langjährigen Beziehung dann doch irgendwann... oder nicht... lässt sich bis heute nicht schlüssig sagen. Allerdings gibt es eine Reihe von Liebesgedichten, die Goethe in jener Zeit schrieb. Hier zwei davon:

Woher sind wir geboren?
Aus Lieb.
Wie wären wir verloren?
Ohn Lieb.
Was hilft uns überwinden?
Die Lieb.
Kann man auch Liebe finden?
Durch Lieb.
Was läßt nicht lange weinen?
Die Lieb.
Was soll uns stets vereinen?
Die Lieb.

J. W. von Goethe

Und auch das folgende Liebesgedicht hat Goethe an Charlotte von Stein geschrieben:

Gewiß, ich wäre schon so ferne, ferne,
So weit die Welt nur offen liegt, gegangen,
Bezwängen mich nicht übermächtge Sterne,
Die mein Geschick an deines angehangen,
Daß ich in dir nur erst mich kennen lerne.
Mein Dichten, Trachten, Hoffen und Verlangen
Allein nach dir und deinem Wesen drängt,
Mein Leben nur an deinem Leben hängt.

J. W. von Goethe

Christiane Vulpius

1788, im Alter von 39 Jahren, lernte Goethe die 23jährige Christiane Vulpius kennen. Obwohl sie nur eine einfache Blumenbinderin in einer Kunstblumenfabrik war, lebten Goethe und Christiane bis zu deren Tod im Jahr 1816 zusammen. Erst 1806 heiratete Goethe seine Geliebte allerdings. Mit ihr hatte er wohl seine ruhigste und angenehmste Beziehung, die zudem am längsten andauerte. Christiane war ein heiterer und fröhlicher Mensch, wie das nächste Liebesgedicht von Goethe zeigt:

Frech und froh

Liebesqual verschmäht mein Herz,
Sanften Jammer, süßen Schmerz;
Nur vom Tücht'gen will ich wissen,
Heißem Äuglein, derben Küssen.
Sei ein armer Hund erfrischt
Von der Lust, mit Pein gemischt!
Mädchen, gib der frischen Brust
Nichts von Pein, und alle Lust

J. W. von Goethe

Eines von Goethes bekanntesten Gedichten schrieb er ebenfalls für Christiane. Das Blümlein am Wegesrand ist nichts anderes als ein Bild für die Geliebte. Goethe wollte Christiane nicht einfach brechen und zum Welken verurteilen, sondern er pflanzte dieses „Blümlein“ mit allen Wurzeln im Garten seines Hauses ein. Er machte sie zu seiner Frau.

Gefunden

Ich ging im Walde
So für mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.
Im Schatten sah ich
Ein Blümchen stehn,
Wie Sterne leuchtend,
Wie Äuglein schön.
Ich wollt es brechen,
Da sagt es fein:
Soll ich zum Welken
Gebrochen sein?
Ich grub's mit allen
Den Würzlein aus.
Zum Garten trug ich's
Am hübschen Haus.
Und pflanzt es wieder
Am stillen Ort;
Nun zweigt es immer
Und blüht so fort.

J. W. von Goethe

Zum Abschluss noch einige Liebesgedichte von Goethe, die recht bekannt sind, und aus denen immer wieder zitiert wird:

Im holden Tal, auf schneebedeckten Höhen
War stets dein Bild mir nah:
Ich sahs um mich in lichten Wolken wehen,
Im Herzen war mirs da.
Empfinde hier, wie mit allmächtgem Triebe
Ein Herz das andre zieht –
Und daß vergebens Liebe
Vor Liebe flieht.

J. W. von Goethe

Und:

Ach, wie sehn ich mich nach dir,
Kleiner Engel! Nur im Traum,
Nur im Traum erscheine mir!
Ob ich da gleich viel erleide,
Bang um dich mit Geistern streite
Und erwachend atme kaum.
Ach, wie sehn ich mich nach dir,
Ach, wie teuer bist du mir,
Selbst in einem schweren Traum.

J. W. von Goethe

Sehr bekannt ist auch dieses:

Freudvoll
Und leidvoll,
Gedankenvoll sein,
Hangen
Und bangen
In schwebender Pein,
Himmelhoch jauchzend,
Zum Tode betrübt –
Glücklich allein
Ist die Seele, die liebt.

J. W. von Goethe

Das letzte Liebesgedicht zeigt Goethe humorvoll. Es ist eigentlich ein Gedicht über die Liebe und wurde später von Franz Schubert vertont:

Liebhaber in allen Gestalten

Ich wollt’, ich wär’ ein Fisch,
So hurtig und frisch;
Und kämst du zu anglen,
Ich würde nicht manglen.
Ich wollt’, ich wär’ ein Fisch,
So hurtig und frisch.

Ich wollt’, ich wär’ ein Pferd,
Da wär’ ich dir werth.
O wär’ ich ein Wagen,
Bequem dich zu tragen.
Ich wollt’, ich wär’ ein Pferd,
Da wär’ ich dir werth.

Ich wollt’, ich wäre Gold,
Dir immer im Sold;
Und thätst du was kaufen,
Käm’ ich wieder gelaufen.
Ich wollt’, ich wäre Gold,
Dir immer im Sold.

Ich wollt’, ich wär’ treu,
Mein Liebchen stets neu;
Ich wollt’ mich verheißen,
Wollt’ nimmer verreisen.
Ich wollt’, ich wär’ treu,
Mein Liebchen stets neu.

Ich wollt’, ich wär’ alt
Und runzlig und kalt;
Thätst du mir’s versagen,
Da könnt’ mich’s nicht plagen.
Ich wollt’, ich wär alt
Und runzlig und kalt.

Wär’ ich Affe sogleich,
Voll neckender Streich’;
Hätt’ was dich verdrossen,
So macht’ ich dir Possen.
Wär’ ich Affe sogleich,
Voll neckender Streich’.

Wär’ ich gut wie ein Schaf,
Wie der Löwe so brav;
Hätt’ Augen wie’s Lüchschen,
Und Listen wie’s Füchschen.
Wär’ ich gut wie ein Schaf,
Wie der Löwe so brav.

Was alles ich wär’,
Das gönnt’ ich dir sehr;
Mit fürstlichen Gaben,
Du solltest mich haben.
Was alles ich wär’,
Das gönnt ich dir sehr.

Doch bin ich, wie ich bin,
Und nimm mich nur hin!
Willst du bessre besitzen,
So laß dir sie schnitzen.
Ich bin nun, wie ich bin;
So nimm mich nur hin!

J. W. von Goethe

Das ist unsere Zusammenfassung zum Thema „Liebesgedicht Goethe“. Wir hoffen, du hast gefunden, was du gesucht hast.

Solltest du ein bestimmtes Goethegedicht suchen, so empfehlen wir dir die Seite Projekt Gutenberg .

Für weitere Liebesgedichte von Goethe schau auf der Seite Deutsche Liebeslyrik nach.

Welches Liebesgedicht Goethe auch schrieb, er hatte immer eine bestimmte Frau vor Augen. Selbst in seinem achten Lebensjahrzehnt hielt er noch um die Hand der 17- jährigen Ulrike von Lewetzow an. (Goethe handelte sich allerdings einen höflichen Korb ein.)

Wenn du Anmerkungen zu dieser Seite „Liebesgedicht Goethe“ hast oder Vorschläge für ein weiteres Liebesgedicht von Goethe, das noch hier erscheinen sollte, dann schreib uns doch! Wir freuen uns über Vervollständigung unserer Seite „Liebesgedicht Goethe“.

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