Gedichte Sehnsucht
Du hast Sehnsucht nach deinem oder deiner Liebsten und suchst Verse, die deine Stimmung wiedergeben? Hier findest du Gedichte der Sehnsucht.
Es sind Verse bekannter alter Dichter und Gedichte aus neuerer Zeit. Sie alle beschäftigen sich mit demselben uralten Thema „Sehnsucht“ in der Liebe.
Eines der bekanntesten und häufig zitierten Gedichte über Sehnsucht stammt von Goethe:
Nur wer die Sehnsucht kennt
Nur wer die Sehnsucht kennt,
Weiß, was ich leide!
Allein und abgetrennt
Von aller Freude,
Seh ich ans Firmament
Nach jener Seite.
Ach, der mich liebt und kennt,
Ist in der Weite.
Es schwindelt mir, es brennt
Mein Eingeweide.
Nur wer die Sehnsucht kennt,
Weiß, was ich leide!
Zwei weitere Gedichte zum Thema Sehnsucht sind auch von Goethe:
Ach, wie sehn ich mich nach dir
Ach, wie sehn ich mich nach dir,
Kleiner Engel! Nur im Traum,
Nur im Traum erscheine mir!
Ob ich da gleich viel erleide,
Bang um dich mit Geistern streite
Und erwachend atme kaum.
Ach, wie sehn ich mich nach dir,
Ach, wie teuer bist du mir,
Selbst in einem schweren Traum.
Nähe des Geliebten
Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer
Vom Meere strahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen malt.
Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
Der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege
Der Wandrer bebt.
Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
Die Welle steigt.
Im stillen Haine geh ich oft zu lauschen,
Wenn alles schweigt.
Ich bin bei dir, du seist auch noch so ferne,
Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne.
O wärst du da!
Die Schönheit der Sehnsucht
Sehnsucht ist ein seltsames Gefühl. Trotz des Kummers, den uns die Sehnsucht bereitet, empfinden wir doch auch etwas Schönes, Heiles in der Erinnerung an unser Liebstes. So haben Gedichte über Sehnsucht immer etwas Bitter-Süßes wie das folgende Gedicht:
Liebestraum
Ich möcht mich mal wieder lieben lassen.
Keine Liebe für ewig - das wär ja vermessen!
Es reicht mir, wenn jemand für eine Nacht
meinen Körper von Kopf bis Fuß glücklich macht.
Vielleicht vergess ich für kurze Zeit
dann die Sehnsucht nach deiner Zärtlichkeit...
Auch der große Dichter der Aufklärung, Gotthold Ephraim Lessing, hat sich seine Gedanken über die Vergänglichkeit der Liebe gemacht und sie in diesem kurzen Gedicht zusammengefasst:
Lied aus dem Spanischen
Gestern liebt ich,
Heute leid ich,
Morgen sterb ich:
Dennoch denk ich
Heut und morgen
Gern an gestern.
Trennung
Selbst wenn die Trennung nur zeitweise ist und man weiß, dass man sich wieder sehen wird, ruft sie doch Sehnsucht hervor:
Ohne dich
Ohne dich kann ich zwar sein,
doch ich kann mich nicht recht freu’n,
an den Blumen oder Bäumen
und sogar in meinen Träumen
sind die Bilder nicht mehr bunt.
Vielleicht sagst du jetzt: „Na und?
Ich bin doch bald wieder da,
komm zurück und bin dir nah.“
Und ich weiß ja, du hast Recht,
aber dennoch geht’s mir schlecht
ohne dich.
Sehnsucht macht ruhelos
Dieses Gefühl bringt Gretchen in Goethes „Faust“ in diesem Gedicht zum Ausdruck (die Verse sind später von Franz Schubert vertont worden):
Mein Ruh’ ist hin
Meine Ruh' ist hin,
Mein Herz ist schwer;
Ich finde sie nimmer
Und nimmermehr.
Wo ich ihn nicht hab',
Ist mir das Grab,
Die ganze Welt
Ist mir vergällt.
Mein armer Kopf
Ist mir verrückt,
Mein armer Sinn
Ist mir zerstückt.
Meine Ruh' ist hin,
Mein Herz ist schwer;
Ich finde sie nimmer
Und nimmermehr.
Nach ihm nur schau' ich
Zum Fenster hinaus,
Nach ihm nur geh' ich
Aus dem Haus.
Sein hoher Gang,
Sein' edle Gestalt,
Seines Mundes Lächeln,
Seiner Augen Gewalt,
Meine Ruh' ist hin,
Mein Herz ist schwer;
Ich finde sie nimmermehr.
Zurückgelassenen & Verlassen
Eduard Mörike, ein Dichter des 19. Jahrhunderts, beschreibt in dem folgenden Gedicht die Sehnsucht des Zurückgelassenen, Verlassenen, dem das Herz gebrochen zu sein scheint:
Lebe wohl
"Lebe wohl" - Du fuehlest nicht,
Was es heisst, dies Wort der Schmerzen;
Mit getrostem Angesicht
Sagtest du's und leichtem Herzen.
Lebe wohl! - Ach tausendmal
Hab ich mir es vorgesprochen,
Und in nimmersatter Qual
Mir das Herz damit gebrochen!
Zum Schluss ein Gedicht, das Sehnsucht mit den einfachen Bildern des Alltags beschreibt:
Wenn du nicht bei mir bist
Die Welt beginnt sich langsamer zu drehen,
wenn du für eine Zeit nicht bei mir bist.
Mein Lager dehnt sich wie ein braches Feld,
obwohl es nach wie vor zwei Meter misst.
Der Kaffee morgens schmeckt mir nicht.
Er duftet scharf und bitter.
Ich bin so fremd in meinem Haus,
das mir Gefängnis ist auch ohne Gitter.
Die Welt davor scheint ohne Farben,
sie lockt mich nicht, ich habe keine Pläne.
Erfreuliche Gefühle kamen mir abhanden.
Ich weiß nur, dass ich mich unendlich sehne...
Das war unsere Auswahl von Gedichten zum Thema Sehnsucht.
Haben die Verse dir gefallen? Wir hoffen, es war auch ein Gedicht für
dich dabei.
Sehnsucht verlangt nach Ausdruck. Deshalb tut es gut, seiner Sehnsucht mit einem Gedicht eine Form zu geben. Vielleicht schickst du es deinem(r) Liebsten?
Hast du selbst sehnsuchtsvolle Gedichte geschrieben, oder kennst du andere
Gedichte zum Thema Sehnsucht, die hierher passen? Dann schreib
uns doch.
Schöne Gedichte über Sehnsucht werden auf dieser Seite veröffentlicht.
